Guten Tag
Diese Frage betrifft Situation mit meinem Chef, der unter psychischen sexuellen Druck leidet.
Ich arbeite seit August 2009 als Teilzeitarbeiterin dort und studiere nebenbei.
Vor ca. 3 Wochen bittet er mich ihn als seine Zuhörerin/Beraterin zu sein, weil er unter Unsicherheit und persönliche Probleme leidet. Kurz gesagt er braucht gedankliche Unterstützung.
Ohne lang zu zögern wollte ich nur hilfsbereit sein und habe es akzeptiert.
Seither schreibt er mir "Problembriefe" und schildert das Problem:
Kurz zusammengefasst: Er sucht Halt und Geborgenheit, vorallem braucht er körperliche Berührungen von einer Frau an einer bestimmten Stelle. Diese Berührungen soll mit Gefühl ausgeführt werden, da er sich ansonsten nicht entspannen kann. Dabei muss er diese Person auch vertrauen können, ohne dass er sich dafür schämen muss und peinlich zu fühlen. Da seine sexuelle Bedürfnisse bis dahin nicht wirklich befriedigt werden kann, unternimmt er folgende "Lösung":
- Chat mit Frauen um zu entlasten.
- Aus Chat Frauen zu finden, die ihm diesbezüglich helfen kann durch Berührungen (die Möglichkeit nach Sex schliesst er nicht aus, ist aber 2.Priorität).
- Er würde diese als Dienstleistung ansehen, mit Bezahlung. Angebot auch für Studentinnen.
Da er oft solche Sehnsüchte nach Berührungen hat, stellt er sich immer wieder Szenarien vor mit Frauen die schöne Hände haben und ihm dabei befriedigt.
Vorerst habe ich ihn nur als "Patient" gesehen, weil er mich darum gebetet hat ihm mögliche Lösungen zu raten und er wissen möchte wie er Frauen am besten ansprechen kann, ohne das solche Fantasien von ihm komisch ankommt.
Also habe ich ihm meine Meinung dazu geschrieben. Da mir bewusst ist, dass er mein Chef ist und ich sein Problem mit Acht und Respekt anschaue, bin ich objektiv und neutral bei der Sache. Und habe mit wenig Hoffnung, dass ich ihm irgendwie helfen kann.
Doch im letzten Brief von ihm, stand wie er seine Berührungsfantasien bereits mit mir vorgestellt habe, und wie schön das gewesen war, dies sogar schon während dem Arbeiten.(Das war wahrscheinlich auch eine indirekte Frage an mich).
Sicher war ich verschrocken und habe ihm klar gemacht, dass ich nicht bereit bin mich in seine Fantasie einzuspielen. Wenn er gedankliche Unterstützung braucht, weil er niemand hat zum schreiben, wäre das ok. Aber mehr nicht.
Ich war der Meinung, dass solche Bedürfnisse bei Männern nicht sehr komisch sind.
-> Aber letzten Arbeitstag wo wir beide alleine im Geschäft sind und zusammen im Archiv Dokumenten gesucht haben, brach er plötzlich zusammen und wollte mich umarmen (habe das aus Mitleid getan).
Der Zusammenbruch: Seine Augen waren plötzlich so schlaff und er war total bleich im Gesicht. Bei der 3 sekundige Umarmung, hat er sein Kopf auf meine Schulter gelegt, seinen Körper hat gezittert. Ich war überfordert und hatte Angst von ihm, weil sein Verhalten so psychisch erkrankt war.
Das Verhalten: Im Alltag waren seine Geste wie alle normale Männer (grosse Schritte, grosse schnelle, selbstsichere Gesten). Aber an dem Momentan hing sein Kopf nach unten und seine Beine stehen engzusammen. Das Glas Wasser, wo er sich selbst eingeschänkt hat, nimmt er mit beiden Händen fest und läuft weiter mit leicht hängendem und geneigtem Kopf wieder in seinem Büro. Die Schritte von ihm waren langsam und "zusammenführend". Direkt gesagt, er hat sich in dem Moment sehr weiblich und psychisch zerstört verhalten!! So habe ich ihn noch nie gesehen.
Ich habe danach nicht mit ihm über das Thema geredet, wollte die Atmosphäre wieder auf Arbeit wechseln/ablenken. Am Abend hat er mir geschrieben mit dem Inhalt, dass er sich in einer schwierigen Lebensphas befindet bezgl das Geschäft und sein Problem. Er hat sich für die Umarmung entschuldigt, und gleichzeigt erwähnt, dass diese Handlung andererseits eine Fragen an mich war, die er nie gewagt hat zu fragen. Letzteres wäre er bereit mit mir ein genaueres Gespräch über Chat zu führen, aber auch bereit diesen schriftlichen Verkehr zu beenden, wenn ich es möchte.
Ich werde nicht mehr zurückschreiben und würde die Arbeitsstelle nicht fortsetzen.
Frage an Sie:
Was ist das für ein Verhalten von ihm? Vorallem kann ich nicht nachvollziehen warum er plötzlich diesen psychischen Einbruch hatte wo ich neben bei gestanden bin. Er war plötzlich wie eine andere Person.
Muss ich ab jetzt Angst von ihm haben, dass er wieder einen Einbruch hat und sexuell gewalttätig wird? Davon mache ich mir Sorgen, weil an den Tagen wo ich schaffe, nur er im Haus ist.
Können Sie mir bitte aus Ihrer professionellen Sicht diesen Fall schilden?
Und wie sollte ich mich in Zunkunft verhalten gegenüber meinem Chef? Worauf soll ich mich achten?
Hier noch einpaar Infos über ihn:
Alter: über 50
Familie: verheiratet, 1 18-jährige Tochter. Mit seiner Frau besteht nur noch eine kollegiale Beziehung, weil sie ihm nicht befrieden kann/möchte.
Beruf: Geschäftschef, Alleinchef.
Für eine Antwort wäre ich Ihnen sehr dankbar.
Freundliche Grüsse
Ich kann nicht ganz nachvollziehen, warum SIE jetzt ergründen wollen / müssen, wie sich ihr Chef verhält.
Grundsätzlich ist es ein Fall von sexuellem / emotionalem Missbrauch am Arbeitsplatz. Auch wenn dies offensichtlich mit ihrem Einverständnis passiert.
Zu retten ist in dieser Situation vermutlich wenig. Die einzig plausible Lösung wäre sich sofort unter Fortzahlung des Lohns freistellen zu lassen und sich dann eine neue Arbeitsstelle zu suchen.
Das Verhalten gegenüber ihrem Chef muss klar und eindeutig sein. Und zwar in der Form, dass es keinen Kontakt mehr gibt.
Sollte er sich daran nicht halten, würde ich eine Anzeige machen bzw. zumindest den Betriebsrat einschalten (wenn es den denn gibt).
Da dieser Mann ganz offensichtlich erhebliche Probleme im Umgang mit Nähe und Distanz hat bzw. emotional labil ist, werden sie keine "rationale" = vernünftige Lösung finden können.
Ich denke zwar nicht, dass er gewalttätig werden wird. Aber die jetzige Situation ist schon so verfahren, dass sie dort so schnell wie möglich die Zelte abbauen müssen. Eher heute als morgen.
Seine Aussagen / Versprechungen / Leid sind letztlich Mittel zum Zweck. Sei es auf sexueller Ebene, sei es auf der Ebene des Mitleids.
Für beide Aspekte sollten sie nicht zuständig sein.
Therapeutin sind sie aber auch nicht.